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KiFaZ Barmbek (Hamburg)
Projektskizze

Seit 1998 gibt es in Barmbek- Süd Familienhebammen. Mit zwei halben Stellen sind sie integraler Bestandteil des Kinder- und Familienzentrums (KiFaZ) Barmbek-Süd, in der Trägerschaft des Verbandes Kinder- und Jugendarbeit Hamburg e. V.

Ziel der Arbeit der Familienhebammen ist es, eine verbesserte umfassende gesundheitliche und psychosoziale Versorgung von Müttern und Kindern zu gewährleisten.
Eine Befragung von freiberuflich tätigen Hebammen in Hamburg hat ergeben, daß aufgrund einer dürftigen Anzahl niedergelassener Hebammen jährlich fast ein Viertel der Frauen in Hamburg nach der Entbindung nicht durch eine Hebamme betreut werden. Dies trifft überproportional jene Stadtteile, die im engeren oder weiteren Sinn soziale Brennpunkte sind. Freiberufliche Hebammen arbeiten im Umfeld ihres Wohnortes, in einigen Stadtteilen Hamburgs wohnt aber nicht eine einzige Hebamme.
Seit der Einführung der Fallpauschalen in den Geburtskliniken im Jahr 1996 ist überdies die Verweildauer junger Mütter erheblich verkürzt worden, so dass deren Versorgung erhebliche Lücken aufweist. Auch die Mütterberatungsstellen der Gesundheits - und Umweltämter kann diesen Bedarf nicht decken, da der Erstkontakt hier frühestens 4 Wochen nach der Geburt stattfindet.
Das Modell der Familienhebammen kann und soll diese Lücke schließen helfen.

Eltern werden als kritisches Ereignis im Leben
Schwangerschaft, Geburt und das Leben in den ersten Wochen und Monaten mit einem Säugling sind eine Situation des Umbruchs, verbunden mit starken körperlichen und seelischen Veränderungen. Alle Beteiligten (Mutter, Vater, Kind, Geschwisterkinder) haben in dieser besonderen Zeit große innere und äußere Anpassungsleistungen zu erbringen. Viele Frauen leiden unter dem Ausstieg aus dem Beruf und fühlen sich isoliert. Gleichzeitig finden Veränderungen sowohl in der Partnerschaft als auch im Freundeskreis statt, die nicht immer einfach zu bewältigen sind.
Besonders problematisch ist dieser Zeitabschnitt für Frauen oder Eltern aus sozial benachteiligten Familien (Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot etc.) und für Frauen, die in ohnehin schwierigen Situationen leben (Alleinerziehende, alkohol- und drogenabhängige Frauen, jugendliche Schwangere, etc.). In dieser Situation ist neben den Kenntnissen, Fähigkeiten und dem spezifischen medizinischen Fachwissen von Hebammen rund um Schwangerschaft, Geburt und Kind ein zusätzliches Fachwissen in sozialen, psychosozialen und lebenspraktischen Fragen angebracht. Familienhebammen verfügen über solch qualifiziertes Spezialwissen und haben einen nicht stigmatisierenden Zugang zu diesen Familien.

Die Familienhebammen unterscheiden sich in ihren Aufgaben erheblich von niedergelassenen Hebammen
Während sich die freiberuflichen Hebammen über die Hebammengebührenordnung finanzieren und somit ausschließlich Leistungen entsprechend dieser Verordnung erbringen können, arbeiten die Familienhebammen im Angestelltenverhältnis und haben damit die Möglichkeit, über diese Leistungen hinaus je nach Bedarf tätig zu werden. So umfassen die Angebote der Familienhebammen die Begleitung durch die Schwangerschaft, Geburtsvorbereitung, die Unterstützung der Mütter im Wochenbett, eine Betreuung im ersten Lebensjahr des Kindes und Hilfen in besonderen Lebenslagen. Neben Sprechzeiten (telefonisch als auch persönlich) und Gruppenangeboten (Geburtsvorbereitung, Rückbildungskurs und Babymassage) bieten die Familienhebammen auch Hausbesuche und Begleitung zu Arztbesuchen oder anderen Institutionen an.

Verschwiegenheit ist eine wesentliche Voraussetzung für eine Atmosphäre, in der Probleme und Bedürfnisse offen angesprochen und diskutiert werden können.
Besonders für Frauen, denen es schwer fällt, sich an unbekannte Institutionen zu wenden und dort Fragen zu formulieren, ist die Einrichtung der Familienhebammen auf Grund des umfassenden Fachwissens eine Erleichterung.
Voraussetzungen dafür, dass den Familienhebammen Vertrauen entgegengebracht wird, sind Freiwilligkeit und Gestaltungsfreiheit für die Frauen und Parteilichkeit der Hebammen. Hierbei ist Verschwiegenheit eine wesentliche Voraussetzung für eine Atmosphäre, in der Probleme und Bedürfnisse offen angesprochen und diskutiert werden können. Jedes Gespräch und jede Teilnahme sind freiwillig. Hausbesuche finden nur mit dem Einverständnis und auf Wunsch der Frauen bzw. Eltern statt. Mit der aufsuchenden Arbeit der Familienhebammen sollen Frauen angesprochen werden, die Komm-Strukturen nicht wahrnehmen wollen oder können.
Jede Frau aus dem Stadtteil, die Kontakt zu den Familienhebammen aufnimmt, sei es per Telefon, in der Sprechstunde oder in einem Gruppenangebot, hat die Möglichkeit zu Hause besucht zu werden oder wird an ein, zu ihrem Bedarf passendes Angebot verbindlich weiter geleitet.

Die Arbeit der Familienhebammen als Primärprävention
Die Gesundheitsberichterstattung in Deutschland (GBE) zeigt deutlich, daß sich soziale Benachteiligungen auf die Gesundheit auswirken:
"Die Erkrankungshäufigkeit und die Sterblichkeit ist in den unteren sozialen Schichten besonders hoch." (Statistischen Bundesamt, 1998:"Gesundheitsbericht für Deutschland", Kurzfassung, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, S. 21.) Die Familienhebammenarbeit ist als Primärprävention für werdende Mütter zu sehen. Die betroffenen Frauen sollen unter Berücksichtigung ihrer Lebenswirklichkeit, möglichst umfassend, kontinuierlich und im Sinne eines ganzheitlichen Gesundheitsbegriffes beraten und betreut werden. So sollen bestehende bzw. drohende Gesundheitsrisiken für Frauen/Mütter und Kinder möglichst frühzeitig erkannt und gemeinsam mit den Betroffenen herausgearbeitet werden, um mögliche Fehlentwicklungen oder bereits bestehende Probleme unter Einbeziehung von medizinischen und sozialen Spezialeinrichtung so effektiv wie möglich entgegenwirken zu können. Ein funktionierendes Kooperationsnetz ist die Voraussetzung für eine umfassende Betreuung Durch die Einbindung der Familienhebammenarbeit in das KiFaZ und die dort entwickelten Kooperationen ist eine Vernetzung mit allen Einrichtungen im Stadtteil gegeben und damit eine umfassende Betreuung der Schwangeren und Mütter gewährleistet. Darüber hinaus wurden Kooperationen aufgebaut zu: KinderärztInnen, GynäkologInnen, Mütterberatungsstellen, freiberuflichen Hebammen, Jugendeinrichtungen und Entbindungsstationen der umliegenden Krankenhäuser. Über die persönlichen Kontakte zu den KooperationspartnerInnen gelingt es das Vertrauen der Frauen und Eltern zu wecken, die nur ungern öffentliche Unterstützung beanspruchen.
Des Weiteren haben die Familienhebammen und das KiFaZ Barmbek-Süd einen sog. "Runden Tisch" ins Leben gerufen, welcher sich aus verschiedenen Berufsgruppen, die mit Schwangeren und Familien mit Säuglingen arbeiten, zusammensetzt und sich alle 10 bis12 Wochen trifft. Dieses Forum soll dazu dienen, sich gegenseitig kennen zulernen und durch Austausch und gemeinsame Fortbildungen von- und miteinander zu lernen. Das Wissen um die verschiedenen Arbeitsinhalte und die daraus resultierenden „kurzen" Wege helfen, das gesundheitliche und psychosoziale Versorgungsnetz für Familien in Barmbek zu verbessern.
Die Erfahrung in Barmbek-Süd zeigt, dass Familienhebammen für die Betreuung schwieriger und risikobelasteter Lebenssituationen in der Zeit der Schwangerschaft, des Wochenbetts, der Neugeborenenperiode und der Phase bis zum Ende der Stillzeit gesundheitsfördernd und risikominimierend wirken.

Link: www.kifaz.de

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